Dem Gastwirt eine Abfuhr erteilt

Moin, moin, die Frau, die sich meldet, hat ein schlechtes Gewissen. Sie habe sich mit einer Freundin verabredet. Einen Tisch bestellt in einem Restaurant. Genau am Tag der Reservierung sei ihre Freundin erkrankt und sie habe dem Gastwirt kurzfristig absagen müssen.

„Darf man das so einfach?“, fragt die Leserin. „In meinem Fall  hat der Restaurantbesitzer die Absage ohne Folgen zur Kenntnis genommen. Oder darf der Gastwirt generell bei einer Stornierung einen Betrag in Rechnung stellen?“ Schließlich  habe er einen leeren Tisch im Raum, also einen  Auftrag verloren.

Eine Frage, mit der sich bereits auch Kieler Gerichte beschäftigen mussten. „Bei einer Reservierung handelt es sich nicht um einen Vorvertrag“, betont Boris Wita von der Verbraucherzentrale.  „Aufenthaltsdauer und die Art und Menge der zu konsumierenden Speisen und Getränke sind gänzlich unbestimmt.“ Denn der Gast sei bei einer Reservierung nicht verpflichtet, ein Menü zu bestellen, wenn ihm das Speiseangebot nicht zusage.

Ein entgangener Gewinn sei dem Gastwirt nur zu ersetzen, wenn dieser nachweisen könne, dass er den reservierten Tisch anderen Gästen vorenthalten musste und dadurch keine weiteren Besucher bewirten konnte.

Und ersetzt wird nach gültiger Rechtssprechung der Schaden, der dem Wirt entstanden ist, weil er auf das Erscheinen der Gäste vertraute: Wenn er beispielsweise besondere Speisen bereitgestellt, für gewünschten Tischschmuck gesorgt oder zusätzliches Personal eingestellt hätte.

Die Reservierung zweier Freundinnen hat den Gastwirt wohl kaum dazu veranlasst, sein Personal aufzustocken.

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