Leitungswasser in Rechnung gestellt

Moin, moin, zuerst musste sie über die Situation lachen. „Aber eigentlich ist das Erlebnis doch sehr ärgerlich“, sagt Annemarie Krämer am Lesertelefon. Und dabei wollte sie an jenem Tag mit ihren Freundinnen einfach nur Spaß haben. In einem Kieler Restaurant.

Die Kielerin und ihre Freundinnen hatten sich in dem Restaurant mit Fördeblick  einen Tisch reserviert. „Wir wollten zusammen frühstücken.“ Die Gruppe beobachtete, dass für die Tische im Restaurant und im Außenbereich nur zwei Bedienungen zur Verfügung standen. „Wir haben gesehen, dass viel zu tun war und hatten Verständnis. Wir haben uns nicht beschwert.“  Irgendwann sei dann eine unfreundliche Frau gekommen, habe einen Korb auf den Tisch geknallt und gesagt: „Hier sind schon mal die Brötchen.“ Eine Stunde habe die Gruppe auf das Frühstück warten müssen. „Als der Kaffee gebracht wurde, war er schon wieder kalt. Dazu hatte ich mir ein großes Glas Leitungswasser bestellt.“

Da die Runde auch nicht den gewünschten Tisch zugewiesen bekommen hatte, war man sich einig, kein Trinkgeld zu zahlen. „Das Geld wandert ja in einen Topf und dadurch würde unsere Unzufriedenheit nicht auffallen.“ Frau Krämer hatte schon bezahlt, als die Bedienung sie an das bestellte Glas Leitungswasser erinnerte und vier Euro berechnete, die die Kielerin ihr auch gab. Frau Krämer kommt dieser Preis allerdings unverschämt hoch vor. Deshalb fragte sie in einem anderen Restaurant in der Kieler Innenstadt noch einmal nach: „Was würde es kosten, wenn ich ein Glas Wasser bestellte?“ Die Antwort lautete: „60 Cent.“  In anderen Lokalen wurde der Kielerin die Karaffe Leitungswasser sogar zum Nulltarif gereicht. „Ist es denn rechtens, normales Leitungswasser in Rechnung zu stellen?“

Eine Frage, die an dieser Stelle schon einmal vom deutschen Hotel- und Gaststätten-Bundesverband beantwortet worden ist.

„Der Gastwirt als Inhaber der Gaststätte kann selbstverständlich selbst entscheiden, ob er seinen Gästen überhaupt Leitungswasser ausschenkt, und wenn ja, ob er dies kostenlos tut oder dafür einen Getränkepreis in Rechnung stellt“, informiert der Sprecher. In jedem Fall sollte ein Gast, der ein Glas Leitungswasser wünscht, sich bei der Bestellung erkundigen, ob er dies zum Nulltarif bekomme.

Bei dem Preis für ein Glas Leitungswasser sei zu berücksichtigen, dass die Kosten nicht nur aus dem Wareneinsatz bestünden.  Das Glas müsse serviert und nach Gebrauch wieder gereinigt werden. „Der Gastronom hat laufende Kosten, die er mit dem Verkauf von Speisen und Getränken decken muss. Wenn nun – überspitzt gedacht – alle Gäste dazu übergehen würden, kostenlos angebotenes Leitungswasser im Restaurant zu trinken, dann würde der Gastwirt erhebliche Umsatzeinbußen erleiden“, gibt der Sprecher zu bedenken.

5 Gedanken zu „Leitungswasser in Rechnung gestellt

  1. Kohlstadt

    Nehmen wir als Stundensatz einen sehr günstigen Werkstatttarif an. Sagen wir 60 Euro.
    Bestellung aufnehmen, Laufweg, Glas entnehmen und mit Wasser füllen und servieren – sagen wir 1 Minute.
    Abräumen, Glas in die Spülmaschine stellen, Glas entnehmen und wegräumen – sagen wir 30 Sekunden.
    Einverstanden ??
    Kosten für das Glas Wasser 1,50 Euro!!

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    1. Ingo Jedzig

      Dazu noch Anteilmäßig der Geschirrspüler mit Reinigungsmittel, Wasser , Strom nocheinmal 20 Cent, also 1,70 €. OK ?

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    2. Jörn Gudat

      60€ Stundenlohn werden wohl die wenigsten Beschäftigten in der Gastronomiebranche erhalten. Es ist trotzdem in Ordnung, auch für Leitungswasser Geld zu verlangen (ich würde es allerdings entweder vorher sagen oder in der Getränkekarte vermerken).

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  2. Langkieler

    Unsere Gastronomen müssen noch viel lernen, sehr viel! Ich empfehle eine Fortbildungsreise nach Italien, Frankreich, Griechenland, USA…

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    1. Salty61

      Ja da wird die Bedienung mit einem Hungerlohn abgespeist und lebt quasi vom Trinkgeld. Das sollte dann aber auch 10€ bei einer 50€ Rechnung betragen!

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