Garagen und Carports sind keine Abstellräume

Moin, moin, irgendwo hatte er es aufgeschnappt. Arne Weber kann sich nicht mehr erinnern, wo und bat am Leser-Telefon um Hilfe. „Ich habe gehört, dass Rasenmäher und Gartenmöbel nichts in der Garage zu suchen haben“, teilte der Neumünsteraner mit.

„Aber das kann doch nicht wahr sein. Gilt diese Anordnung auch für Neumünster? Und was macht das für einen Sinn?“

Stadtsprecher Stephan Beitz hat sich im Rathaus umgehört: „Garagen und Carports dienen dem Abstellen von Kraftfahrzeugen und sind keine Abstellräume beziehungsweise Lagerräume für Gartengeräte, Gartenmöbel, Müllsäcke, Sperrmüll, Kartonagen und Möbel“, informiert er. Eine Garage dürfe auch nicht zum Hauswirtschaftsraum umfunktioniert werden. „Die Umwandlung einer Garage zu einem Abstellraum bedarf in der Regel einer Genehmigung, da die Landesbauordnung für Garagen beziehungsweise Abstellräume unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen kennt“, informiert der Sprecher der Schwalestadt und verweist auf Paragraf 63.

Nicht glauben wollte dies übrigens ein Mann in Hessen, der die Garage für andere Dinge zweckentfremdete, während das Auto auf der Straße stand. Angezeigt hatte ihn sein Vermieter. Die Stadt Offenbach drohte ihm mit 500 Euro Bußgeld, sollte er seine Garage nicht freiräumen. Dagegen klagte der Bürger – und das Verwaltungsgericht in Darmstadt gab der Stadt Offenbach recht. Dem Vernehmen nach hält der Beschuldigte seitdem seine Garagentür fest verschlossen.

Ein Gedanke zu „Garagen und Carports sind keine Abstellräume

  1. Hans Kolpak

    Notwendige Stellplätze
    Abgesehen von den Landesbauordnungen, die Garagen als Autostellplätze vorsehen und keinesfalls als Wohnraum oder Werkstatt, nehmen die Ortsteile zu, in denen die Menschen mehr Autos nutzen, als sie unterbringen können. Baubehörden versuchen, durch Auflagen die Situation zu entspannen. Doch das gelingt eher schlecht als recht, weil die langfristigen Auswirkungen erst im Laufe von Jahrzehnten augenscheinlich werden. Solange keine entstehenden Baulücken zwangsweise in Parkraum umgewandelt werden können, ist die Entwicklung sehr schwer zu steuern. Dies betrifft Dörfer genauso wie große Städte. Bauämter möchten den Parkraum auf den Straßen entlasten und die Autofahrer motivieren, ihren Wagen auch kurzzeitig auf dem Privatgrundstück zu parken.

    Der Hintergrund einer solchen Gemeindesatzung ist daher kein Ärgernis, sondern die unmittelbare Folge der Anwohner, die ihren Platzbedarf ignorieren oder nicht bereit sind, auf ein Auto zu verzichten. Viele sind dem Mythos „Stadt“ verfallen und schwören auf all das, was eine Stadt zu bieten hat, auch wenn sie die Angebote nur zehn Mal im Jahr nutzen. Gleichzeitig wollen sie jederzeit mit dem Auto in den Wald fahren, um dort spazieren zu gehen. Andere sind vernünftig, suchen sich ihren Arbeitsplatz und ihre Wohnung außerhalb eines Ballungsraumes und fahren lieber zehn Mal im Jahr mit ihren Auto in die Stadt, um dort eine Veranstaltung zu besuchen. Freizügigkeit bedeuten, dass Menschen selber wählen können, auch wenn die Folgen für die Gemeinschaft die Lebensqualität mindern. Der Lärm und die dichte Bebauung sind Stressfaktoren, die niemand ignorieren sollte.

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