Pullover ausgezogen und frierender Frau angeboten

Moin, moin, es war gegen 12.30 Uhr. Anne Iversen hatte nach dem Arztbesuch in einem großen Kieler Einkaufszentrum noch Besorgungen erledigt. Sie verließ den Laden und damit das Gebäude. „Und dann habe ich sie gesehen. Die junge Frau. Im Schnee.“

„Die junge Frau saß – so kam es mir vor – auf dem nackten Boden. Dabei hatte es geschneit und der Wind war kalt. Ich habe ihre Not gesehen. Das war so echt.“ Die Kielerin warf etwas Geld in den bereitgestellten Pappbecher und sprach das Mädchen an. „Aber sie verstand mich nicht. Es war eine Ausländerin.“ Frau Iversen zeigte auf die Füße der jungen Frau. Diese hob ein wenig ihren Rock. Die Kielerin war entsetzt: „Sie trug leichte Sommerschuhe und weiße Söckchen.“ Die Kielerin wollte unbedingt helfen. Sie braucht etwas Wärmendes, dachte sie sich und hielt Ausschau nach einer größeren Pappe. Und in diesem Moment habe sich eine Frau neben sie gestellt, ihre Jacke geöffnet, auf ihren Pullover gezeigt und die junge Frau am Boden fragend angesehen. Diese nickte und die andere habe in einer Ecke ihren Pullover ausgezogen – sie trug noch ein Teil darunter – und habe der Ausländerin ihren Pullover gereicht.

Anne Iversen war zu Tränen gerührt. „Es wird immer so viel geredet. Hier wurde nicht lange gefragt, sondern unkompliziert geholfen. In der Politik geht das leider nicht. Da wird lange diskutiert, wie man helfen sollte oder nicht. Für mich war dies ein kleines Wunder, ein wahrer Akt der Menschlichkeit. Ein Geben ohne viel Getue, ohne viel Rederei. Und das macht Hilfe aus.“ Jedenfalls musste Anne Iversen gleich anrufen, um ihr Erlebnis mitzuteilen.

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