Spenderin wartet immer noch auf eine Einladung

Moin, moin, die Kielerin, die sich meldet, ist verärgert. Sie ist eine der Spenderinnen, die vier Mädchen aus Mettenhof einen Aufenthalt in Florida ermöglicht hat. Und sie wartet immer noch auf ein Dankeschön.

Die Frau hatte im April einen Artikel gelesen: Vier Mädchen, 14 und 15 Jahre alt, möchten sich einen Traum erfüllen und nach Amerika reisen. Dafür wollten sie hart arbeiten und beispielsweise ausgemusterte Haushaltsgegenstände auf Flohmärkten verkaufen. Der Verein Migration, der die Mädchen betreut, bat um Spenden. Die Kielerin wollte gern helfen. Sie habe „großartig ausgemistet“ und auch original verpackte Gläser und eine neue Nudelmaschine zur Verfügung gestellt. „Es war kein Plunder und alles säuberlich verpackt.“ Die pädagogische Leiterin des Jugendmigrationsdienstes, Dani Pendorf, habe die Spenden dann abgeholt. Die Kielerin war enttäuscht: „Ich wollte die jungen Leute gern kennenlernen.“ Doch dazu ist es nicht gekommen. Irgendwie muss es ein Missverständnis gegeben haben. „Man sagte mir, nach dem Aufenthalt im Oktober würden sich die Mädchen mit den Spendern treffen, um danke zu sagen.“ Seitdem wartet die Kielerin auf eine Einladung.

Dana Pendorf kann sich an diese Einladung nicht erinnern. „Wir haben insgesamt fünf VW-Bus-Ladungen abgeholt und wollten die vier Mädchen nicht mit 70 Spendern konfrontieren. Das würde die Kinder überfordern. Selbstverständlich haben wir vor, uns zu bedanken. Durch Krankheit und Weihnachtsferien kommen wir erst jetzt dazu. Wir wollen einen Film zusammenstellen, den man sich auf You Tube anschauen kann.“ Ziel des Projektes war, erzählt Dana Pendorf, jungen Menschen zu sagen: „Ihr könnt, wenn ihr wollt. Ihr habt sogar die Möglichkeit, nach Amerika zu fliegen.“ Zweieinhalb Jahre lang hätten die Mädchen für ihren Traum hart gearbeitet, um sich die zehntägige Tour leisten zu können. Sie nähten Handytaschen, bastelten Grußkarten, räumten Keller auf und verkauften auf den Flohmärkten Kleidung, Geschirr, Schallplatten „und jede Menge Trödel, den uns die Menschen überlassen haben.“

Und die Spenderin? Sie bekocht nun Flüchtlinge aus Syrien, hat diese bereits zum Feuerwerk der Turnkunst und zur Polizeisportshow eingeladen. Die Kielerin bevorzugt den persönlichen Kontakt.

Ein Gedanke zu „Spenderin wartet immer noch auf eine Einladung

  1. Frank Schwerter

    Es kommt mir so vor, als wenn die Dame nur spendet um ihr Selbstwertgefühl zu steigern und um gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen, nicht aber um den eigentlichen Sinn des Spenden zu erfüllen, nämlich anderen Menschen zu helfen.

    Die Dame sollte bedenken, daß die Bitte um Hilfe vielen Menschen schon Kraft und Überwindung kostet und diese sich so in eine unangenehme, devote Position bringen.
    Eine Danksagung verstärkt diese Position evtl. noch. Kein Mensch mit Charakter ist freiwillig gerne ein Bittsteller.

    Außerdem hätte ich persönlich niemals für eine überflüssige Luxusreise in die Vereinigten Staaten gespendet, mir fallen auf Anhieb unzählige Projekte ein welche tatsächlich unterstützenswert sind. Sehr viele Kinder haben keine vernünftige, wettergerechte Kleidung an oder fahren auf Fahrräder die für sie zu klein sind durch die Gegend. Für viele Familien in Kiel ist es ein Drama, wenn zum Beispiel die Waschmaschine ihren Geist aufgibt, da sie trotz Vollbeschäftigung kein Geld haben zeitnah eine neue zu kaufen. Wer jedoch stattdessen für pubatierende Jugendliche Luxusreisen finanziert läuft entweder blind durch die Gegend oder er handelt aus reinen Selbstzweck, zur Aufwertung des eigenen Egos.

    Pädagogisch wäre es für die Jugendlichen sicherlich wertvoller gewesen, wenn sie ihre Reise in die Vereinigten Staaten aus eigenen Anstrengungen und durch eigene Arbeit finanziert hätten, denn auch im späteren Leben bekommt man nichts geschenkt. Es bedarf stets der eigenen Anstrengung um seine Wünsche und Ziele zu erreichen!

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