Warum ein Abschied nur im engsten Familienkreis?

Moin, moin, Hinterbliebene fühlen sich oft isoliert, behauptete in diesen Tagen eine Kielerin, die ihren Mann verloren hat. Eine andere Leserin vermutet, dass die Witwe womöglich etwas falsch gemacht hat. Sie hat eine andere Sicht der Dinge.

Die Witwe, die sich gemeldet hatte, hatte sich am Lesertelefon bitterlich beklagt. Nach dem Tod ihres Mannes schaue kein Bekannter oder Nachbar mehr bei ihr vorbei. Dabei wünsche sie sich einen Klönschnack und Anteilnahme. „Ich wusste nicht, dass es eine so große Hemmschwelle gibt – als wäre der Tod ansteckend“, klagte die Kielerin.

Eine andere Leserin hat da so ihre Vermutung: „Vielleicht hat sie etwas falsch gemacht“, überlegte sie am Lesertelefon. Es werde nämlich immer öfter auf öffentliche Trauerfeiern verzichtet. Das könne man den Todesanzeigen in den Zeitungen entnehmen. „Wir haben im engsten Familienkreis Abschied genommen“, heiße es häufig. Oder als Ankündigung formuliert: „Wir nehmen im engsten Familienkreis Abschied.“ „Damit laden Hinterbliebene Freunde, Nachbarn, Bekannte, manchmal sogar die Hospizdamen, aus und geben ihnen nicht die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Dabei haben die Menschen ein Recht auf Trauer.“

 

2 Gedanken zu „Warum ein Abschied nur im engsten Familienkreis?

  1. P. Valiani

    Wenn einem ein verstorbener Mensch etwas bedeutet hat, egal ob verwandt oder nicht, dann möchte man sich auch gern verabschieden und ggf. ein paar Worte loswerden oder einfach nur still teilhaben. Zwar kann ich die Trauernden verstehen, wenn sie unter sich allein Abschied nehmen möchten, aber man sollte auch in solchen Fällen den Bekannten, Nachbarn, Freunden, Arbeitskollegen die Möglichkeit geben, ihre Gedanken in Form von Widmungen in einem Trauergästebuch Ausdruck zu verleihen. Dieses Trauerbuch könnte in einem Abschiedsraum des Bestattungshauses oder der Kapelle ausgelegt sein. Nach der Beisetzung kann dieses Buch den Trauerfamilie ausgehändigt werden. Diejenigen, die z. B. nicht an einer Trauerrede teilnehmen durften bzw. konnten, denen kann man eine Danksagung mit einer Abschrift der Trauerrede zukommen lassen. Das wäre zumindest eine bessere Lösung als das Ausschließen von jahrelangen Wegbegleitern.

    Antworten
    1. Elke

      Moin! Meine Mutter verstarb vor zwei Jahren. Ihr ausdrücklicher Wunsch war es, dass sie keine Trauerfeier möchte. Ich sollte mit meinem Mann und den Kindern dabei sein, sowie ihre geliebte Nachbarin und ein guter Freund. Klar es eine unangenehme Situation, aber ich habe den letzten Wunsch meiner Mutter befolgt. So stand es auch in der Traueranzeige. Mich haben die Leute danach noch komisch angesehen, aber ich weiß, dass Mama es so wollte!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.