Nach dem Verlust wünscht sie sich Anteilnahme

Moin, moin, die Leserin, die mich anruft, hat im Juli ihren Mann verloren. Während der Krankheit ihres Mannes hatten beide die Kontakte nicht so pflegen können wie zuvor. Aber jetzt, nach seinem Tod, schaue kein Bekannter oder Nachbar mehr bei ihr vorbei.

Auf ihrem Hundespaziergang hört sie immer nur „Ich wollte Dich schon immer besuchen.“ Aber es besucht sie niemand. „Ich wusste nicht, dass es so eine große Hemmschwelle gibt. Als wäre der Tod ansteckend“, klagt die Kielerin. Sie wünscht sich einen Klönschnack und Anteilnahme. Sie wünscht sich, dass Menschen ihre Scheu verlieren, jemanden anzusprechen, der gerade einen Verlust erlitten hat. Sie hofft: „Bitte bleibt stehen und schnackt mit mir.“

Fanny Dethloff ist Vorsitzende des Preetzer Hospizvereins und hat Erfahrung mit der Begleitung trauernder Menschen. Dabei ist sie auf Fehl- und Vorurteile gestoßen. Viele Menschen seien mit der Trauer eines anderen überfordert, fühlten sich hilflos und unfähig. „Sie möchten sich nicht aufdrängen, wissen nicht, was sie sagen sollen, vermuten, der andere brauche noch Schonzeit“, so die Seelsorgerin. „Dabei wird der Trauernde schon sagen, ob ihm die Ansprache passt.“ „Isolierung“, sagt Fanny Dethloff, „Isolierung ist eine Art gesellschaftlicher Kühlschrank, den wir alle mitzimmern.“ Die Seelsorgerin rät: „Fragen, einfach mal fragen, wie es um den Trauernden steht.“ Und: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht – auch lachen tut Trauernden gut.“ Und: „Ungeweinte Tränen machen krank. Wenn sich der Trauernde bei jemandem ausweinen darf, ist das heilsam.“

Nähe zu zeigen und Beistand zu geben sind wichtige Aufgaben in der Trauerbegleitung. Klingeln Sie doch einfach mal an der Tür!

 

 

 

Ein Gedanke zu „Nach dem Verlust wünscht sie sich Anteilnahme

  1. Dorothee Luserke

    Guten Morgen liebe Leserin,
    da ich meinen Mann vor zwei Jahren gestorben ist, kann ich das was Sie erleben gut nachempfinden. Mir geht es genauso. Aber da gibt es nicht nur eine Hemmschwelle bei Freunden und Bekannten, sondern noch einen Grund, wie mir das Bestattungsinstitut mitteilte. Man ist auch eine Gefahr für die Männer. Bitte, ich bin 68 und trotzdem? Es heißt auch, komm doch mal vorbei mein Mann ist gerade nicht da. Ich gehe nicht hin, weil es albern ist. Sie können sich ihre Männer an den Hut stecken und ihre Männer haben mich nie interessiert.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute und das von ganzen Herzen.
    Liebe Grüße
    Dorothee Luserke

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