Amt schreibt Brief an verstorbene Ehefrau

Moin, moin, Jürgen Lang aus Kiel-Hassee ist traurig. Traurig, weil am 18. Juli seine Frau verstorben ist. Aber Jürgen Lang ist auch verärgert. Geärgert hat er sich über das Landesamt für soziale Dienste.

„Meine Frau ließ noch im Juli ihren Behindertenausweis verlängern“, erzählt der Kieler am Lesertelefon. „Zwei Tage vor ihrem Tod haben wir die 72 Euro überwiesen und dafür eine neue Jahres-Wertmarke für die unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personenverkehr erhalten.“ Ende August meldete Herr Lang dann den Todesfall und verlangte das Geld zurück, da seine Frau diesen Ausweis nicht mehr in Anspruch nehmen kann. „Jetzt hat sich das Amt gemeldet, verweist auf Paragrafen und will nur 36 Euro überweisen.“ Aber was Herrn Lang besonders bekümmert: Der Brief beginnt mit dem Vermerk „Angelegenheit (Vorname) Lang, Kiel, (Anschrift), verstorben am 18.7.2015“. Und gleich danach heißt es in dem Anschreiben: „Sehr geehrte Frau Lang…“ Ein Brief an eine Tote.

Frank Lindscheid, Sprecher des Sozialministeriums, ist die Angelegenheit sehr unangenehm. „Der Umstand, dass der Brief an die verstorbene Ehefrau adressiert ist, wird von Seiten des Amtes sehr bedauert. Er ist auf eine automatisierte Antwort zurückzuführen. Die zuständige Abteilungsleiterin will die Mitarbeiter sensibilisieren, dass in Zukunft solche Versehen nicht mehr vorkommen“, versichert Lindscheid.

Doch im anderen Fall bleibt es bei den 36 Euro. Die Begründung lautet: Wird die für ein Jahr ausgegebene Wertmarke vor Ablauf eines halben Jahres ihrer Gültigkeitsdauer zurückgegeben, wird auf Antrag die Hälfte der Gebühr erstattet. Entsprechendes gilt für den Fall, dass der schwerbehinderte Mensch vor Ablauf eines halben Jahres der Gültigkeitsdauer der für ein Jahr ausgegebenen Wertmarke verstirbt. „Das Amt ist verpflichtet, sich an dieser gesetzlichen Vorgabe zu orientieren. Ausnahmen sind leider nicht vorgesehen, selbst wenn im vorliegenden Fall nur wenige Tage verstrichen sind und die Entscheidung für den Leser schwer nachvollziehbar sein mag“, bedauert Lindscheid.

PS: Herr Lang, vielen Dank für Ihr Vertrauen!

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