Ein Glas Leitungswasser in Rechnung gestellt

Moin, moin, sehr ärgerlich ist Frau Mühlenberg. Ihr wird in diesen Tagen etwas in Rechnung gestellt, was sie zuvor in ihrem Lokal immer zum Nulltarif bekommen hat. Plötzlich soll sie dafür zahlen. Die Kielerin griff sofort zum Lesertelefon.

Einmal im Monat trifft sie sich mit ihrer Gruppe zum Stammtisch in einem Lokal mit Fördeblick. Das sind zehn bis zwölf Leute zwischen 20 und 55 Jahren. Die Kielerin bestellt sich zu Kakao oder Kaffee immer ein Glas Leitungswasser. „Was noch nie zuvor passiert ist: Das Glas Wasser wurde diesmal mit einem Euro berechnet“, erzählte sie am Lesertelefon. Frau Mühlenberg findet das unverschämt: „In anderen Lokalen wird sogar eine Karaffe zum Nulltarif auf den Tisch gestellt.“

„Hinsichtlich des Leitungswassers im Restaurant ist anzumerken, dass es hier unterschiedliche Handhabungen gibt“, informiert Jürgen Benad, Geschäftsführer des deutschen Hotel- und Gaststätten-Bundesverbandes. „Wenn der Gast beispielsweise um ein Glas Leitungswasser bittet, weil er ein Medikament einnehmen muss, dann stellt dies in der Regel kein Problem dar. Aber der Gastwirt als Inhaber der Gaststätte kann selbstverständlich selbst entscheiden, ob er seinen Gästen überhaupt Leitungswasser ausschenkt, und wenn ja, ob er dies kostenlos tut oder dafür einen Getränkepreis in Rechnung stellt.“ In jedem Fall sollte ein Gast, der ein Glas Leitungswasser wünscht, sich bei der Bestellung erkundigen, ob er dies zum Nulltarif bekomme.

Bei dem Preis für ein Glas Leitungswasser sei zu berücksichtigen, dass die Kosten nicht nur aus dem Wareneinsatz bestünden. Das Glas müsse serviert und nach Gebrauch wieder gereinigt werden. Benad: „Der Gastronom hat laufende Kosten, die er mit dem Verkauf von Speisen und Getränken decken muss. Wenn nun – überspitzt gedacht – alle Gäste dazu übergehen würden, kostenlos angebotenes Leitungswasser im Restaurant zu trinken, dann würde der Gastwirt erhebliche Umsatzeinbußen erleiden.“

2 Gedanken zu „Ein Glas Leitungswasser in Rechnung gestellt

  1. Kaffeetrinker

    In Österreich und vielen anderen Ländern ist es üblich zum Kaffee ein Glas Wasser zu servieren. Der Gastronom sollte immer abwägen, ob er einen Stammgast damit verprellt. Vor allem, wenn das Glas zu einem Getränk dazu bestellt wird.

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  2. Klaus Beyer

    Sehr geehrte Frau Neurode,
    die Beschwerde von Frau Mühlenberg ist für mich nachvollziehbar. Ich habe über 6 Jahre in Italien/ Neapel gelebt und gearbeitet. In keinem Kaffee, in keiner Bar und in keinem Restaurant, und sei es noch so schlicht, würden Sie dort einen Espresso oder Capuchino ohne ein Glas Wasser serviert bekommen, ohne danach gefragt zu haben, und der kostet dort dann inclusive Wasser meist nur 60- 80 Cent. Da gibt man dann doch gerne ein Trinkgeld! Ich halte das für genauso selbstverständlich, wie Besteck, Tischdecke oder Serviette. Taucht in Italien dafür (Cuperto/Gedeck) ein Betrag auf der Rechnung auf, erwartet der Kassierende kein Trinkgeld mehr. Manchmal können wir Deutschen noch etwas dazulernen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Ciao
    Klaus Beyer

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