Acrylglas bestellt, aber Holz-Hochglanz geliefert

Moin, moin, erinnern Sie sich noch an Stephanie Schubert aus Kiel, die sich auf eine Marken-Küche freute und nach dem 15 Stunden langen Einbau auf verschrammte Schränke schaute? Dies scheint kein Einzelschicksal zu sein. Danke für die vielen Zuschriften!

Wir erinnern uns: Stephanie Schubert bezahlte 8000 Euro für eine Küche ohne E-Herd und Kühlschrank. Nach dem Einbau konfrontierte sie die Firma mit einer Mängelliste. 25 Beanstandungen hatte sie notiert: zu kurze Arbeitsplatte, dadurch zu luftige Abdeckungen, nicht bündige Abschlussleisten und hervorstehende Schrankschubladen, fransig abgesägte Holzteile, verschrammte Schränke, Silikonreste auf sämtlichen Arbeitsflächen sowie Fingerabdrücke und Bleistiftstriche auf den Wänden.

Eine Leserin aus dem Amt Achterwehr erwartet ihre neue Küche in diesen Tagen, hat aber zu der Firma kein Vertrauen mehr: „Die Mitarbeiter sind nicht – wie verabredet – zum Ausmessen gekommen. Deshalb verspätete sich die Lieferung um sechs Wochen. Nun will die Firma fast den vollen Preis vor dem Einbau haben“, klagte sie am Lesertelefon.

Auch Frau K. interessiert das Thema brennend. Warum? Weil die Mitarbeiter der Firma bei ihr monatelang ein und ausgingen: „Vom ersten Einbautag an dauerte es insgesamt 9,5 Monate, bis die Küche wie versprochen eingerichtet war.“ Eine Zeitspanne, in der Frau K. vor Jahren Wertvolleres geleistet hat als einen simplen Aufbau.

Frau M. aus Neumünster möchte – um Himmels Willen – ihren Namen nicht nennen. Damals, als ihr Mann die Arbeitsplatte zurechtsägte und sich auf diese setzte, brach der Unterbau unter ihm zusammen. Ihr Mann „ist seitdem auf Diät“.

Auch bei Meike W. aus Kiel hat der Kücheneinbau Spuren hinterlassen. Das hatte aber diesmal etwas mit den Fliesenlegern zu tun, die zu spät kamen und die falschen Wandfliesen mitbrachten. Frau W. lässt sich seitdem die Haare färben.

Monika Z. schickt ein kurzes Schreiben: „Niemals wieder“, so schreibt sie, „niemals wieder werde ich einem Handwerker Bier anbieten.“

Eine Kielerin sollte im Januar eine Küche für 14 000 Euro bekommen, die erst im Juni eingebaut wurde  – aber eben nicht vollständig. Rückwand und Arbeitsplatte fehlen immer noch. Acrylglas für die Vorderschränke war bestellt, aber Holz-Hochglanz wurde geliefert. Die Leserin wird immer wieder vertröstet.

Immer noch ärgerlich ist das Ehepaar aus Mönkeberg. Er hatte sich im vergangenen Winter extra einen Tag Urlaub genommen, war früh aufgestanden, hatte gewartet und gewartet. Der Handwerker kam nicht. „Aber morgen wird es was“, mailte dessen Chef am späteren Nachmittag. Diesmal nahm sich die Frau einen Tag Urlaub. Der Handwerker kam wieder nicht. „Es war unmöglich“, informierte dieser gegen Abend telefonisch. Alle Türrahmen seines Autos seien eingefroren gewesen.

Lassen wir doch noch einmal Hanna Doreen, Referentin für Verbraucherrecht, zu Wort kommen:„Generell sollte man nicht im Voraus den gesamten Betrag zahlen, sondern einen Teil bis zum mangelfreien Einbau der Küche zurückbehalten.“ Eine in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgehaltene Verpflichtung, die gesamte Vergütung im Voraus zu zahlen, sei sogar unwirksam. Und: „Bei dem Kauf einer Einbauküche, deren Einbau ebenfalls Vertragsbestandteil geworden ist, handelt es sich um einen Werklieferungsvertrag und bei den Defekten um Sachmängel, für die der Verkäufer einstehen muss.“

 

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