Defekter Fahrstuhl bremst Gehbehinderte aus

Moin, moin, jedesmal, wenn der Aufzug ausfällt, ist eine gehbehinderte Kielerin eine Gefangene ihrer Wohnung. Meistens über mehrere Tage. Dabei wohnt sie in einem hochpreisigen Neubau mit Blick auf die Förde.

Gleich nach Fertigstellung – im Jahre 2013 – bezog die Kielerin den Neubau mit Tiefgarage. Für die 116 Quadratmeter zahlt sie 1250 Euro Kaltmiete und genießt den Fördeblick. Die Mieterin ist gehbehindert und auf eine barrierefreie Wohnung mit Fahrstuhl angewiesen. Seit Mitte 2014 sei dieser jedoch häufig defekt, klagt sie am Lesertelefon. Acht Ausfälle, meistens über mehrere Tage hinweg, habe sie vom 24. Juli 2014 bis 22. August 2015 gezählt. Meistens geschehe dieses Ungemach an Wochenenden oder Feiertagen. Häufig dann, wenn Vermieter und Hausverwaltung nicht zu erreichen seien. Deshalb informiert die Kielerin die Service-Firma, die einen 24-stündigen Notruf anbietet. Diese erkundigt sich, ob eine Person steckengeblieben ist. Ist das nicht der Fall, vertröstet die Firma auf den nächsten Werktag. Die Folge: Die Kielerin ist quasi in ihrer Wohnung gefangen, weil sie zu Fuß nicht das Erdgeschoss erreichen kann. Außerdem können sie ebenfalls gehbehinderte Bekannte nicht besuchen. Die Frau ist verzweifelt und möchte keinen Stress mit ihren Vermietern. Deshalb flüchtet sie sich in die Anonymität.

„Das Recht ist eindeutig auf ihrer Seite“, ist Alexander Blažek, Verbandsvorsitzender von Haus & Grund, überzeugt, ein Verband, der nicht die besagte Immobilie betreut. Der Rechtsanwalt kennt die entsprechenden Paragrafen und zeigt mehrere Möglichkeiten auf: Die Kielerin könne die Miete mindern, ein sogenanntes Zurückbehaltungsrecht geltend machen, den Vermieter verklagen, den Mangel zu beseitigen, und unter Umständen die Reparatur des Aufzugs auch selbst in die Hand nehmen.

Also, liebe Mieterin, sollte der Fahrstuhl in dieser hochpreisigen Anlage wieder funktionieren, ergreifen Sie die erstbeste Gelegenheit und flüchten Sie zu einem Rechtsanwalt ihrer Wahl! Die Initiative müssen allerdings schon Sie ergreifen!

 

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