Empfangstresen empfindet Patientin als Hürde

Moin, moin, Ingrid Frei hatte Pech. Zum Ausklang des Festivals auf dem Rathausplatz stürzte die 72 Jahre alte Frau beim Schlittschuhlaufen und erlitt eine Fraktur des linken Handgelenks. „Seitdem kann ich nur eingeschränkt zupacken und festhalten.“ Auf besondere Schwierigkeiten stößt die Kielerin ausgerechnet in Arztpraxen.

Diese Besuche seien für sie besonders mühsam: „Die Tresen sind heute so hoch, dass ich meine Tasche nicht abstellen kann. Da auch meistens keine Besucherstühle an den Theken stehen, muss ich meine Tasche auf den Fußboden stellen und mich umständlich bücken, um mit der gesunden Hand medizinische Unterlagen, das Portemonnaie oder die Krankenversicherungskarte aus dem Beutel zu ziehen. Warum muss das so sein?“, fragt die Kielerin.

„Für uns Einrichter ist die Höhe der Theke eine Vorgabe“, informiert Hermann Petersen vom Soltauer Einrichtungshaus. „Die Höhe des Tresens soll verhindern, dass der Patient Einblick in Patientenunterlagen nimmt, die gerade auf der Arbeitsplatte oder auf dem Monitor zu sehen sind. Dieses Thema ist im Arztbereich sehr brisant.“ Eine Taschenablage am Tresen werde häufig nicht gewünscht, da es durch die Schnallen und Verschlüsse zu Beschädigungen an der Oberfläche kommen könnte. Manchmal störe auch einfach die Optik der abgelegten Mappen und Beutel. „Und Stühle stehen nicht in der Nähe des Empfangs, um strengste Diskretion zu wahren“, weiß der Fachmann aus Erfahrung.

Die Empfangstresen seien immer mehr zu Kommandozentralen geworden, teilt Andreas Hoffmann, Verkaufsleiter einer Einrichtungsfirma aus dem niedersächsischen Wunstorf, mit. Die Höhe der Theke werde nicht nur aus Datenschutzgründen gewählt. „Durch die Höhe entsteht extra Stauraum für viele Karteischubkästen.“ Natürlich könne auch seine Firma auf Wunsch für Aussparungen im Tresenbereich sorgen, um Platz für zum Beispiel Handtaschen zu schaffen.

Die genauen Maße hat Robert Knüttel, Fachmann aus Paderborn, parat: „Thekenanlagen haben in der Regel eine Stehhöhe von etwa 1030 mm. Bei dieser Höhenfindung ist man von der Durchschnittsgröße der Menschen ausgegangen. In dem geschilderten Fall ist der Mensch kleiner oder größer und empfindet die Höhe als unangenehm. Taschenablagen sind eine Option bei vielen Standardtheken. In Apotheken halte ich Taschenablagen für absolut wichtig, da viele ältere Menschen oder Menschen mit einem zeitbegrenzten Handicap Apotheken aufsuchen. Weiterhin sollten im Eingangsbereich einer Apotheke Wartestühle platziert werden.“

Sie sehen, Frau Frei, die Ausstattung der Arztpraxen ist so gewollt. Damit bleibt mir nur noch, Ihnen weiterhin gute Besserung zu wünschen.

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