Wahrsager lassen Kieler Paar nicht zur Ruhe kommen

 

Moin, moin, zum Zeitvertreib las Angelika Rühl aus Kiel im Wartezimmer eines Arztes eine Annonce über Wahrsagerei, wurde neugierig, wollte mehr wissen und meldete sich dort. Die Folge: Seit Jahren erhält sie Post von Wahrsagern aus Deutschland, Holland, Indien, Amerika und der Schweiz – wöchentlich vier bis fünf Briefe. Diese Lawine hatte Frau Rühl nicht vorausgesehen.

„Wir sind genervt“, teilte ihr Mann am Leser-Telefon mit. „Vermutlich wurde mit unserer Adresse gehandelt.“

Nach Auskunft von Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale ist es schwierig, gegen unerwünschte Post dieser Art vorzugehen. Eine Möglichkeit sei, sich kostenlos in die Robinson-Liste eintragen lassen. „Diese Liste dient dem Schutz der Verbraucher vor unerwünschter Werbung.  Die Schutzliste enthält Daten von Personen, die keine unaufgeforderte Werbung erhalten möchten. Es gibt solche Listen für jegliche Formen der Kommunikation. Die beteiligten Unternehmen verpflichten sich, zu den in der Liste eingetragenen Verbrauchern keinerlei kommerziellen Kontakt aufzunehmen. Allerdings sind leider längst nicht alle Werbeversender beteiligt, und auch die partizipierenden Unternehmen halten sich nicht immer an die freiwillige Verpflichtung. Gerade die unseriöseren und dubioseren Unternehmen etwa.“

Weitere Möglichkeiten eröffne das Bundesdatenschutzgesetz. Der Bürger könne Auskunft über die bei der Firma gespeicherten Daten verlangen, der Nutzung seiner Daten widersprechen und die Aufsichtsbehörde informieren.

„Problematisch ist bei belästigender Werbung aber immer  wieder die Identitätsermittlung, wenn Verstöße gegen unzulässige Werbung verfolgt werden sollen“, informiert Julia Buchweitz. Daher besage das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb , dass jegliche Werbung beziehungsweise Nachricht unzulässig und unlauter ist, bei der die Identität des Absenders oder Auftraggebers verschleiert oder verheimlicht wird oder gar keine gültige Adresse vorhanden ist, an die der Empfänger eine Aufforderung zur künftigen Unterlassung richten kann.

Eine als nach deutschem Recht unzulässige Werbung könne zumindest rechtlich auch im Ausland verfolgt und sanktioniert werden. Buchweitz: „In der Praxis bestehen dabei aber leider noch Schwierigkeiten, die aber zumindest für Europa nach und nach verringert werden sollen.“

Eine andere Möglichkeit sei, die unerwünschte Post zurückgehen zu lassen. Die Briefe könnten ungeöffnet mit dem Vermerk „ Annahme verweigert“ zurück an den Absender wieder in den Briefkasten geworfen werden. Dann zahle der Absender auch die Rücksendegebühren und nehme vielleicht davon Abstand, sich wieder zu melden.

Das Ehepaar Rühl will sich bald entscheiden. Es möchte keinen einzigen Brief dieser Wahrsager mehr in seinem Postkasten vorfinden. Die jüngste Nachricht kam aus Holland. Ein Mann behauptete, Frau Rühl sei auserwählt, den Weltuntergang zu überleben.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.