Kielerin ließ Betrügerin abblitzen

Moin, moin, eine widerliche Form des sogenannten Enkeltricks musste eine 86 Jahre alte Kielerin in diesen Tagen erfahren. Geholfen haben ihr in dieser Situation ihr Misstrauen und ihre Geistesgegenwart.

Der Sohn der Kielerin war wieder einmal geschäftlich nach Indien geflogen. Tage später erhielt sie gegen 9 Uhr einen Anruf. „Im Hintergrund war ein Höllenlärm zu hören. Eine schlecht englisch sprechende Frau sagte, sie rufe vom Londoner Flughafen aus an. Mein Sohn sei verunglückt, betonte die Frau immer wieder. Ich habe ihr nicht geglaubt.“ Die 86-Jährige ging instinktiv nicht auf das Gesagte ein. „Ich kann Sie nicht verstehen“, betonte sie immer wieder. Schließlich legte die fremde Frau auf. Die Kielerin rief natürlich sofort ihren Sohn an, der einen Enkeltrick vermutete. Für irgendeine angebliche Hilfsaktion hätte die Kielerin Geld nach England schicken sollen. Die 86-Jährige warnt ausdrücklich vor dieser Betrugsmasche und ist entrüstet. „Nicht auszudenken, wenn man gerade einen Angehörigen zum Flughafen gebracht hat und dann einen derartigen Anruf bekommt.“

Der so genannte Enkeltrick ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für Opfer oft existenzielle Folgen haben kann, teilt die Polizei hierzu mit. Die Opfer könnten dadurch hohe Geldbeträge verlieren oder sogar um Ihre Lebensersparnisse gebracht werden. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht ?“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen an, geben sich als Verwandte wie zum Beispiel Enkel oder gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann. Auf diese Weise haben Enkeltrick-Betrüger in der Vergangenheit bereits Beträge im fünfstelligen Eurobereich erbeutet.

Die Variante der sogenannten Schockanrufe wenden Betrüger nach Auskunft der Polizei vor allem bei älteren Menschen an. Sie melden sich per Telefon bei ihren Opfern und behaupten, dass ein Enkel oder ein anderer naher Verwandter in einen Verkehrsunfall oder in ein Strafverfahren verwickelt sei und dringend Geld benötige.

Tipps der Polizei gegen den Enkeltrick: Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt. Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld von Ihnen fordert. Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen. Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Informieren Sie sofort die Polizei über die Notrufnummer 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt. Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

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