„Sollen wir nun in Kleidung schwimmen?“

Moin, moin, um Aufklärung bittet Barbara Ailland aus Altenholz. In der Schwimmhalle Kiel-Schilksee war ihr im Wasser eine offenbar muslimische Frau mit langem Gewand aufgefallen. „Nur Gesicht, Hände und Füße waren unbedeckt.“ Die Hallenaufsicht erklärte ihr, das Rathaus gestatte diese Badebekleidung. „Sollten wir denn nun mit Kleidung schwimmen dürfen?“, fragt unsere Leserin. „Und geht man so auch unter die Dusche? Was sagt der Gesundheitsstadtrat dazu?“

„Die Bäder GmbH toleriert die sogenannten Burkinis“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Der Ganzkörperbadeanzug mit integrierter Kopfbedeckung ermöglicht muslimischen Frauen,  trotz strenger religiöser Normen in Anwesenheit von Männern baden zu gehen. Moderne Burkinis werden, wie die sonst übliche Badebekleidung auch, aus Kunstfasern hergestellt. Dadurch bleiben beim Waschen weniger Waschmittelreste in der Kleidung zurück, die sonst beim Schwimmen in das Becken gelangen könnten.

Apropos Becken: Stadtsprecher Arne Gloy betont: „Für alle Badegäste gilt die Aufforderung, sich vor dem Benutzen der Bäder entsprechend zu reinigen. Durch die Ganzkörperreinigung soll der Eintrag von Schmutzstoffen in das Beckenwasser vermindert werden, damit die Wasserqualität mit geringstmöglichem Einsatz von Desinfektion auf höchstem Niveau gehalten werden kann.“

Leider müssten die Mitarbeiter der Schwimmhallen feststellen, dass sich ein immer größer werdender Kreis der Kundschaft nicht an dieses Gebot halte. Gloy: „Dadurch haben die Kieler Bäder einen nicht unbeachtlichen Mehraufwand in der Aufrechterhaltung der Wasserqualität. Die Mitarbeiter der Schwimmhallen achten, soweit wie möglich, auf die Einhaltung des Gebotes. Aber sie können und wollen nicht – wie es früher üblich war – Badewärter in den Duschen postieren, die darüber wachen, dass alle Besucher gereinigt das Bad betreten.“

Ein Gedanke zu „„Sollen wir nun in Kleidung schwimmen?“

  1. Bernd Folger

    Ich bin leidenschaftlicher Schwimmer in den Kieler Hallen. Ich halte mich für aufgeschlossen und tolerant – aber ich muss die Zustände leider bestätigen. Mir fällt dabei aber auf, dass die (männlichen) Mit-Schwimmer ca. jenseits der fünfzig merkwürdigerweise idR völlig unauffällig sind – die waschen sich nämlich so gut wie alle vor dem Baden. Die Anderen? Je jünger desto weniger. Ich verstehe natürlich die Mitarbeiter der Bäder. Einerseits kriegen sie kaum mit, was in den Duschräumen läuft, sie haben in der Tat Wichtigeres zu tun, als dort zu kontrollieren, und zum anderen dürften sie bei nötiger Ansprache Verständnislosigkeit, wenn nicht gar Aggressivität ernten. Was mich besonders nervt, sind so manche liebevolle Jungväter, die leider häufig als schlechte Beispiele für die eigenen Kinder auftreten: Keine Seife dabei, eine Minute Alibidusche – und ab ins Bad, das ist gar nicht klasse Jungs! Ähnlich geht es oft vor dem Schulschwimmen zu. Einige Male habe ich Lehrer angesprochen, hilflose Antwort unisono: Was sollen wir machen? Mein Vorschlag: Geht einfach mal persönlich mit den Lütten in die Dusche und regelt das für die Zukunft. Ich sehe da bloß ganz selten Lehrkräfte. Was ließe sich sonst tun? Vielleicht könnten Stadt und Bäderbetrieb mal ein Aufklärungsprojekt starten, kurz und knapp aufgemachte flyer, eine Zeitlang jedem Badegast an der Kasse ausgehändigt, informieren über den Sinn des reinlichen Badegastes. Vielleicht machte sich ein dezenter Hinweis auf denkbare Zusammenhänge von noch stärkerer Chlorung zur notwendigen Erhaltung der Wasserqualität und damit verbundenen unerwünschten Folgen (z.B. Allergien) Sinn. Oder vielleicht bringt ja auch ein gratis überreichtes Ministückchen Seife den einen oder anderen Badegast zum Nachdenken? Für ein etwaiges Projekt stünde ich gern zur Verfügung.

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