Grüne Welle: Kieler hatten das Nachsehen

Moin, moin, es hätte ein schöner Abend werden können. Bis 21 Uhr war er das für Sylvia Rossow und ihre gehbehinderte Schwiegermutter. Doch was sie dann erlebten, das lesen Sie hier.

Zu etwa diesem Zeitpunkt verließen sie und weitere Angehörige ein Lokal in der Holtenauer Straße in Kiel. Ihr Ziel: das Brauereiviertel. Das heißt: vom Fußgängerweg Holtenauer Straße/Ecke Düppelstraße in Richtung Knooper Weg – über die Holtenauer Straße. „Wir mussten feststellen, dass die Ampeln zumindest im Bereich Ravensberg ausgeschaltet waren. Was ja ganz schön für die Autofahrer ist – die hatten grüne Welle. Für uns Fußgänger stellte die Überquerung mit einer gehbehinderten Dame ein großes Problem dar“, schildert Sylvia Rossow. „Die Autofahrer rasten förmlich von beiden Seiten heran und hielten es nicht für nötig, langsamer zu fahren oder gar zu halten. Ich musste mich quasi als Schülerlotse mit meinem Schirm aufstellen, damit wir es schafften. Trotzdem blieb es gefährlich. Für diese großen Straßen wäre eine Bedarfsampel angebracht“, fordert unsere Leserin und sieht Kinder, Mütter mit Kinderwagen sowie Menschen mit Behinderungen in dieser Situation in Gefahr: „Sie alle können nicht spurten.“

Kieler Bürger- und Ordnungsamt sowie Tiefbauamt berufen sich auf die enge Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion und auf die „sorgfältige Auswertung“ der Unfallsituation im gesamten Stadtgebiet. In der Unfallstatistik erscheine diese Kreuzung nicht als Häufungsstelle, schreibt die Stadt. Die hier installierte Ampelanlage sei täglich von 6 bis 21 Uhr in Betrieb. An bedeutenden Verkehrsknoten in der Holtenauer Straße wie zum Beispiel an der Beselerallee und Olshausenstraße  seien die Ampelanlagen wegen des höheren Verkehrsaufkommens ständig eingeschaltet.

Weiter schreibt die Stadt: Dort, wo nachweislich Beeinträchtigungen und Gefährdungen der Verkehrssicherheit für die Allgemeinheit bestehen, „werden gegebenenfalls auch die Schaltzeiten verändert. In langen Straßenzügen wie der Holtenauer Straße sind jedoch dann sämtliche Ampelanlagen neu zu bewerten.“

Mit anderen Worten: Da sich laut Statistik an besagter Kreuzung kaum Unfälle ereignen, ist nicht damit zu rechnen, dass die Stadt Kiel an dieser Kreuzung eine Bedarfsampel einrichtet.

Vielleicht findet sich ja eine gemütliche Einkehr auf der anderen Straßenseite…

 

 

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