Kielerin fragt: In der Not ein Recht aufs fremde WC?

Moin, moin, nun, eigentlich ist ihr die Angelegenheit sehr peinlich. Aber nachher, als sie wieder zu Hause war und ihr Erlebnis erzählte, da entspann sich im Familien- und Freundeskreis eine angeregte Diskussion. War das, was ihr widerfahren war, unterlassene Hilfeleistung? Hatte sie nicht ein Recht auf ein entgegenkommendes Verhalten in ihrer Situation? Die Kielerin fasste sich ein Herz und fragte bei uns nach.

Die 75-Jährige hatte ihre Schwiegertochter in Altenholz-Stift besucht und war auf dem Weg zurück zur Holtenauer Straße. „Und es ist mir noch nie unterwegs passiert, aber plötzlich hatte ich ein dringendes Bedürfnis. Nur gab es weit und breit weder Gebüsch noch öffentliche Toilette.“ In ihrer Not klingelte unsere Leserin an einer Haustür in der Hirthstraße, nannte Namen, Adresse, wollte ihren Ausweis zeigen, wenn sie doch nur mal eben kurz… Doch der Mann, der ihr geöffnet hatte, lehnte zunächst ab. Er wolle kein Opfer von Trickbetrügern werden, murmelte er. Schließlich führte er sie in den Keller zur Toilette gleich neben der Werkstatt. Die Kielerin ist ihm sehr dankbar dafür, möchte jedoch wissen: Haben Menschen in derartigen Situationen ein Recht auf fremde WC-Schüsseln?

Mit einem klaren Nein beantwortet Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale in Kiel diese Frage. „Niemand ist dazu verpflichtet, jemanden den Toilettengang in seiner privaten Wohnung zu ermöglichen. Zum einen hat jeder das Hausrecht über seinen Wohnraum. Zum anderen wären Betrug und Diebstahl Tür und Tor geöffnet. Denn grundsätzlich raten wir dazu, auf keinen Fall Fremde in die Wohnung zu lassen.“ Das sei viel zu gefährlich. „Wenn der Fremde über das Argument müssen zu müssen quasi eine Freikarte für jede Wohnung erhalten könnte, wäre das völlig unangemessen.“ Darüber hinaus müsse man von erwachsenen Menschen erwarten dürfen, die eigenen Bedürfnisse unter Kontrolle zu haben. Verrichte man „sein Geschäft“ in der Öffentlichkeit, stelle dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werde, fährt Jutta Buchweitz fort. „Geschieht dies an einer Hauswand, so wird damit nicht nur ein Bußgeldtatbestand verwirklicht, sondern eventuell auch ein Schadensersatzanspruch des Hauseigentümers ausgelöst.“

Tja, liebe Kielerin, ich weiß, es war ein sonniger Tag, der zum Spaziergang einlud. Aber nehmen Sie bitte beim nächsten Mal doch lieber den Bus. Damit es eben in Ihrem Fall kein nächstes Mal geben wird.

 

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