Fehlende Kontobewegung wurde für Postsparer teuer

Moin, moin, plötzlich hatte sie es wieder in der Hand, das aus den Augen verlorene, 15 Jahre alte Postsparbuch. Guthaben: 43,25 Euro. Letzte Bewegung: 14. Juni 1999. Rosemarie Kohberg aus Kiel kündigte den Sparvertrag zum 1. Juli und war gespannt auf die Höhe der Zinsen. Und rief mich erbost an: „Ich habe nur einen Euro bekommen, kein Guthaben, keine Zinsen, sondern nur einen Euro.“ „Angeblich wird seit dem 1. Januar 2008 eine Bearbeitungsgebühr von jährlich zwölf Euro erhoben. Aber darüber bin ich nie informiert worden. Und es kann doch nicht sein, dass von einem Konto das angesparte Geld verschwindet!“

Doch, das geht. Wie, erklärt auf Anfrage der Sprecher der Postbank-Zentrale in Bonn. Danach hat die Postbank zum 1. Januar 2008 ein Entgelt für lange nicht genutzte Sparkonten eingeführt. „Dieses Entgelt wurde nur erhoben bei Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist, auf denen länger als drei Jahre keine Kontobewegung zu verzeichnen war und deren Guthaben 60 Euro unterschritt“, informiert der Sprecher. „Dieses Sparprodukt wurde 2008 bereits seit zehn Jahren Kunden nicht mehr aktiv angeboten oder neu eröffnet. Damit war auch nur ein verschwindend kleiner Teil unserer Spareinlagen von diesem Entgelt betroffen. Alle betroffenen Kunden sind von der Postbank damals persönlich angeschrieben und über die Einführung informiert worden.“

Für die betroffenen Sparkonten, die von ihren Kontoinhabern also ungenutzt blieben und nur geringste Einlagen aufwiesen, musste, so begründet der Sprecher, eine alte Informationstechnik-Architektur aufrecht erhalten werden, die überproportional hohe Kosten verursacht habe. Durch den Einbau neuer IT-Strukturen konnten diese Kosten mittlerweile so weit reduziert werden, dass dieses Entgelt seit dem 1. Mai 2013 nicht mehr erhoben werde. Es betrug einen Euro im Monat, also jährlich zwölf Euro.

Aha, dann hätte ja das Konto unserer Leserin auch leicht ins Minus geraten können? Doch hier kann der Sprecher „beruhigen“: Die Aufwandsentschädigung wurde jeweils rückwirkend für das Jahr erhoben und vom Sparkonto abgebucht. War das Sparguthaben bis auf einen Euro erschöpft, folgten keine Abbuchungen mehr. Wurde ein unbewegtes Sparkonto in ein Sparkonto aus der aktuellen Produktpalette umgewandelt, dann entfiel die Aufwandsentschädigung auch.

Rosemarie Kohberg und die Post konnten sich dank unseres – ich nenne es einmal – Anstoßes einigen. Die Post zeigte sich sehr kulant. Unbeantwortet bleibt die Frage, warum unsere Leserin damals die so wichtige Information über die Einführung einer Bearbeitungsgebühr nicht erhalten hat. Sie ist in den vergangenen 37 Jahren nicht umgezogen – ehrlich.

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