Einladung auf den Friedhof betrübt Witwe

Moin, moin, die Stadt Kiel wirbt dafür, die parkähnlichen Friedhöfe als Erholungsflächen in der Nachbarschaft zu entdecken. Doch diese Entdeckung kommt bei Hinterbliebenen nicht unbedingt immer gut an.

„Friedhöfe sind, neben ihrem eigentlichen Zweck, ruhige Naturräume in der Stadt. Wir würden uns daher wünschen, dass zukünftig mehr Kieler zum Spazierengehen, Joggen, Klönen und Spielen zu Besuch kommen“, hatte unsere Print-Ausgabe unlängst Grünflächenamtsleiter Günter Horstmann zitiert. Eine Einladung, die nicht alle begrüßen.

Als vor vier Jahren der Ehemann von Ingeborg Röpstorff (86) aus Kiel-Friedrichsort starb, suchte sie einen gepflegten, sauberen Parkfriedhof. Ihre Wahl fiel auf den Nord-Friedhof in der Wik. Hinter dem Urnengrab mit Stele befand sich eine große, gepflegte Rasenfläche. „Diese Rasenfläche wurde vor einiger Zeit umgegraben. Kinder haben kreuz und quer alles Mögliche angepflanzt“, meldete sie sich jetzt zu Wort. In der Zwischenzeit sehe dieser Teil aus wie Kraut und Rüben. „Weil ein Mähen unmöglich ist, ist Gras zwischen den Büschen hochgeschossen. Dazwischen schafft sich Unkraut Platz. Es sieht aus wie eine Müllhalde.“ Das denken wohl auch andere Friedhofsbesucher, die verwelkte Blumensträuße auf das vermeintliche Müll-Beet schmeißen, hat sie beobachtet.

Die Friedhofsverwaltung habe ihr mitgeteilt, der alte Zustand könne nicht wieder hergestellt werden. Die Kielerin ist sehr unglücklich: Sie möchte nicht erleben, dass Bekannte sie einmal fragen: „Was hast Du Dir denn da für eine Stelle ausgesucht?“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.