Warum sich nach Schuhen bücken oder recken?

Moin, moin, Urlauberin Sabine Abele beobachtet diese Anordnung seit Jahren: „In den meisten Geschäften sind die Schuhe der Länge nach untereinander aufgereiht – von Größe 36 im obersten Regal bis Größe 42/43 auf dem Fußboden.“  Sie hat nie verstanden, warum Kunden, die auf größeren Füßen stehen, sich nach Pumps, High Heels, Sandaletten, Schnürern oder Stiefeletten bücken und kleinere Frauen sich nach den kürzeren Schuhen auf den oberen Brettern recken müssen.

Seit etwa 20 Jahren werde diese „vertikale“ Präsentation bevorzugt, weiß Claus Heinrich vom gleichnamigen Kieler Schuhhaus: „Das bedeutet, dass unterschiedliche Modelle eines Themas nebeneinander gezeigt werden können und die Größen untereinander stehen.“  Schön und gut, aber warum steht der kleinste Schuh hoch oben?  „Muster- und Entwurfsformat  für Damenschuhe ist weltweit die Größe 37. Alle anderen Längen sind rechnerische Weiterentwicklungen des einmal gemachten Entwurfs. Das heißt, dass das einzelne Modell seine beste optische Wirkung in dieser Größe entfaltet und deshalb in den Fokus der Präsentation gerückt wird – und das ist nun mal leider nicht nahe am Boden.“

Das von unserer Leserin beschriebene Problem verschärfe sich allerdings noch regional, fährt der Experte fort. Warum? „Weil wir es in Norddeutschland  im Schnitt mit deutlich mehr großen Füßen zu tun haben als im Westen und Süden der Republik. Für uns in Kiel spielt zum Beispiel das Format 36 keine nennenswerte Rolle mehr, dagegen die Schuhgröße  42 sehr wohl. Deshalb haben wir auch entschieden, alle Damenschuhe über Größe 42 getrennt zu präsentieren und in den Schaufenstern nicht wie üblich Länge 37 zu zeigen, sondern auf Größe 38 zu gehen.“

Sabine Abele muss also weiterhin in demütigender, gebückter Haltung von Ständer zu Ständer ziehen, um die lange Schuhparade abzunehmen.

 

 

 

 

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