Dunkle Schränke haben keine Chance

Moin, moin, das hatte sie sich einfacher vorgestellt: Martina Sicka musste einen Haushalt auflösen. Und weil der Wohnzimmerschrank in Eiche rustikal einmal sehr teuer und noch gut erhalten war, wollte die Kielerin ihn einer sozialen Möbelbörse schenken. Aber denkste!

„Alle Organisationen teilten mir mit, dass man solche Möbel keinem Sozialschwachen in die Wohnung stellen kann, denn dunkle Möbel seien das Letzte“, ärgert sich unsere Leserin, die diese Begründung nicht nachvollziehen kann: „Wenn ich wirklich kein Geld habe, um mir neues Mobiliar zu kaufen, kann ich doch dankbar sein, dass es Menschen gibt, die intakte Einrichtungsgegenstände  verschenken,  statt sie auf den Sperrmüll zu werfen. Der Schrank ist von guter Qualität, hat keine geschnitzten Muster, ist damit also zeitlos, und die Bretter sind nicht verzogen.“

 

Brigitte Hanné leitet die Möbelbörse der Kieler Stadtmission. Ziel ist es hier, Bedürftige, die einen Anspruch haben, mit Hausrat zu versorgen. Und diese Möbel werden nicht zugeteilt, sondern ausgesucht.  Brigitte Hanné kennt das Geschäft seit acht Jahren und weiß, was geht und was ein Ladenhüter ist. „Tische, Stühle und Kommoden in Eiche finden Abnehmer, aber große Schränke aus Eiche, Mahagoni oder Nussbaum sind nicht gefragt.“ Da würde die Möbelbörse auf den Entsorgungskosten sitzenbleiben. Entsorgt werden mussten in den vergangenen fünf  bis sechs Jahren etwa 20 derartige Schränke, und deshalb werden sie gar nicht mehr angenommen und damit auch gar nicht mehr angeboten. „Obwohl diese Schränke meistens super gepflegt sind“, räumt Brigitte Hanné ein. Ein Besichtigungsteam der Möbelbörse schaut sich bereits vor Ort die angebotenen Spenden an. Und natürlich weiß auch dieses Team, was begehrt ist und was eher keine Freudensprünge auslösen wird.  Wohnzimmerschränke aus dunklem Holz, Klapp- und Schrankbetten sowie Schlafzimmerbetten mit üppigem Überbau lässt es links liegen. Im Trend liegen helle, freundliche Möbel – beispielsweise aus Kiefer.

Martina Sicka hat sich inzwischen schweren Herzens von „Eiche rustikal“ getrennt – auf dem Abfallwirtschaftshof.

 

 

 

 

 

 

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